Bei Schnee und Regen auf der Stelvio hat Lucas Pinheiro Braathen Olympia-Geschichte geschrieben. Der 25-jährige Brasilianer setzte im ersten Durchgang mit Startnummer 1 eine Fabelzeit von 1:13.92 in den Schnee — der größte Vorsprung nach einem ersten Lauf im olympischen Riesenslalom seit 1988. Im zweiten Durchgang bewahrte er auf der durch Niederschlag schwer gewordenen Piste die Ruhe und fand im entscheidenden Mittelteil des Kurses den flüssigen Kompromiss, den die Bedingungen verlangten. Am Ende stand eine Gesamtzeit von 2:25.00 und 0,58 Sekunden Vorsprung auf Titelverteidiger Marco Odermatt.
```Es ist die erste Winterolympia-Goldmedaille überhaupt für ein südamerikanisches Land, in jedem Sport. Als Braathen im Ziel die „1" auf der Anzeigetafel sah, sank er in den Schnee und schrie seine Freude heraus. Auf seinem Helm steht „Vamos Dançar" — „Lasst uns tanzen" — und dieser Tanz war olympisch.
- 🥇 Lucas Pinheiro BRAATHEN (BRA) - 2:25.00
- 🥈 Marco ODERMATT (SUI) - 2:25.58 (+0.58)
- 🥉 Loïc MEILLARD (SUI) - 2:26.17 (+1.17)
1. Winter-Olympia-Gold Südamerika
Odermatt ohne Gold — die Enttäuschung der Spiele
Für Marco Odermatt bleiben diese Spiele ein bitteres Kapitel. Der dominante Gesamtweltcup-Führer verlässt Bormio ohne individuelles Gold: 4. in der Abfahrt, Bronze im Super-G, Silber im Team-Kombi, Silber im Riesenslalom. Sein zweiter Lauf war hervorragend (sechstbeste Zeit) — er fand im Sektor 2 den richtigen Rhythmus —, doch der Rückstand von 0,95 Sekunden aus dem ersten Durchgang war zu groß.
Die Schweizer Tiefe bleibt beeindruckend: Meillard (Bronze), Tumler (4.) und Odermatt (Silber) besetzten drei der vier ersten Plätze. Die Eidgenossen haben die Herren-Wettbewerbe in Bormio dominiert, angeführt von Franjo von Allmens historischem Triple-Gold in Abfahrt, Super-G und Team-Kombi — eine Leistung, die zuvor nur Toni Sailer (1956) und Jean-Claude Killy (1968) gelungen war.
- Lucas Pinheiro BRAATHEN (BRA) - 2:25.00
- Marco ODERMATT (SUI) - 2:25.58 (+0.58)
- Loïc MEILLARD (SUI) - 2:26.17 (+1.17)
- Thomas TUMLER (SUI) - 2:26.45 (+1.45)
- Atle Lie MCGRATH (NOR) - 2:26.82 (+1.82)
- Léo ANGUENOT (FRA) - 2:26.99 (+1.99)
- Henrik KRISTOFFERSEN (NOR) - 2:27.04 (+2.04)
- Stefan BRENNSTEINER (AUT) - 2:27.23 (+2.23)
- Marco SCHWARZ (AUT) - 2:27.28 (+2.28)
- Joan VERDÚ (AND) - 2:27.29 (+2.29)
Brennsteiner ratlos, Schwarz stark
Stefan Brennsteiner hatte nach dem ersten Lauf gegenüber dem ORF erklärt, er habe sich vor dem Blick auf die Zeittafel gut gefühlt, den Rückstand aber nicht für möglich gehalten. Er beendete den Riesenslalom auf Platz 8.
Besser erging es Marco Schwarz: Der Österreicher stieß dank der zweitbesten Zeit im zweiten Durchgang von Platz 18 auf Rang 9 vor — mit überragender Konstanz in allen vier Sektoren. Joan Verdú (Andorra) setzte mit der besten Laufzeit im zweiten Durchgang ein Ausrufezeichen und verbesserte sein eigenes olympisches Rekordergebnis für Andorra auf Rang 10.
Sektor 2 (technisches Herz):
- Schnellster: Joan VERDÚ (AND)
- 2.: Marco ODERMATT (SUI)
- 3.: Lucas BRAATHEN (BRA)
Schlüsselzone: Fluss > Aggression auf schwerem Schnee
Braathen: Eine Geschichte der Wiedergeburt
Geboren in Oslo als Sohn eines norwegischen Vaters und einer brasilianischen Mutter, wuchs Braathen im norwegischen System auf und gewann die Slalom-Kugel für Norwegen, bevor er sich 2023 nach Spannungen mit dem Verband zurückzog. Seine Rückkehr unter brasilianischen Farben 2024 war fulminant: Siege in Alta Badia und Adelboden in dieser Saison, und jetzt olympisches Gold.
Für Norwegen sind die Gefühle gemischt. Atle Lie McGrath wurde Fünfter, nachdem er die schnellste Zeit in Sektor 4 aufgestellt hatte. Henrik Kristoffersen, Siebter, beschrieb den ersten Lauf als „komisch" und gab zu, auf halber Strecke eine Linie verloren zu haben.
Das Talent, das Norwegen großgezogen hat, tanzt jetzt in Grün und Gelb. In Oslo wie in Rio klingt Braathens Geschichte anders — aber überall fasziniert sie.
- Wetter: Schnee und Regen, Nebel
- Schnee: Schwer, durch Niederschlag verschlechtert
- Schlüsselsektor: S2 (Fluss entscheidend)
- L1-Marge: 0,95 Sek (größte seit 1988)
Wie geht es weiter?
Der Slalom der Herren am Montag, 17. Februar, wird der letzte alpine Wettbewerb dieser Spiele sein. Braathen, ein Spezialist der Disziplin (Kugelgewinner 2023), wird zu den Favoriten zählen. Odermatt wird versuchen, die Frustration von zwei Wochen ohne individuelles Gold zu überwinden — auch wenn nur wenige Champions vier olympische Medaillen in zwei Wochen vorweisen können.
Aber heute Abend tanzt Brasilien. Vamos Dançar.
- Geboren: Oslo, Norwegen (brasilianische Mutter)
- 2023: Rücktritt vom norwegischen Skifahren
- 2024: Rückkehr unter brasilianischen Farben
- 2025-26: Siege Alta Badia, Adelboden
- 14. Feb 2026: Olympisches Riesenslalom-Gold
Peking 2022: DNF Riesenslalom + Slalom
- 🇦🇹 Marco SCHWARZ: 18. → 9. (zweitschnellste L2)
- 🇦🇩 Joan VERDÚ: Schnellste L2, 10. (Andorra-Rekord)
- 🇫🇷 Léo ANGUENOT: 6. (bester Franzose seit Faivre 2022)
- 🇳🇴 Atle Lie McGrath: Schnellster S4
- 🥇 Braathen (BRA): 1. Winter-Olympia-Gold Südamerika, alle Sportarten
- 📊 L1-Marge: 0,95 Sek (größte seit 1988)
- 🥈 Odermatt (SUI): 4 Medaillen, 0 individuelles Gold Milano-Cortina
- 🇨🇭 Schweiz: 3 in Top 4 (Odermatt, Meillard, Tumler)
- 🇫🇷 Anguenot 6.: Bester Franzose seit Faivre Bronze 2022
- 🇦🇩 Verdú 10.: Schnellste L2, Andorra-Rekord
- 🌨️ Bedingungen: Schwerer Schnee, Regen, S2 entscheidend
- 📅 Slalom Herren: 17. Feb (letzter alpiner Wettbewerb)
Der olympische Riesenslalom in Bormio wird als eines der kosmopolitischsten Rennen in die Geschichte eingehen. 69 Skifahrer von 5 Kontinenten überquerten die Ziellinie und verwandelten den Stelvio in eine planetarische Feier des alpinen Skisports.
Aus allen vier Ecken der Welt:
- 🇰🇪 Kenia: Issa Gachingiri Laborde dit Peré (66.)
- 🇪🇷 Eritrea: Shannon Abeda (69.)
- 🇮🇷 Iran: Mohammad Kiyadarbandsari (61.)
- 🇹🇭 Thailand: Fabian Wiest (60., 16 Jahre alt)
- 🇭🇰 Hongkong: Adrian Yung (68.)
- 🇹🇹 Trinidad und Tobago: Nikhil Alleyne (52.)
- 🇭🇹 Haiti: Richardson Viano (44.)
- 🇲🇬 Madagaskar: Mathieu Gravier (57.)
- 🇧🇯 Benin: Nathan Tchibozo (48., 20 Jahre alt)
Von Albanien (Denni Xhepa, 34.) bis Kasachstan (Rostislav Khokhlov, 51., 17 Jahre alt), von Uruguay (Nicolas Pirozzi Mayer, 36.) bis Georgien (Luka Buchukuri, 56.) verkörpert dieses Rennen die olympische Universalität. Alle fuhren auf derselben legendären Strecke, alle teilten denselben Traum.
Jüngster Finisher: Lasse Gaxiola (MEX), 16 Jahre alt — 53.