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Rennen

Super-G in Beaver Creek: Kriechmayr siegt unter umstrittenen Bedingungen

Wenn Regelwerk vor Sportgeist geht: 37 Fahrer ohne Start, Abbruch exakt an der Validierungsgrenze – berechtigte Fragen zur Rennleitung.

FR EN DE IT ES SV 5 Dezember 2025 3 Min. Lesezeit
Super-G in Beaver Creek: Kriechmayr siegt unter umstrittenen Bedingungen © APA-PictureDesk
Matteo Franzoso - Kitzbuehel 2025
FIS Weltcup · Beaver Creek

Das sportliche Ergebnis

Vincent Kriechmayr (AUT) setzte sich am Donnerstag im Super-G von Beaver Creek durch und feierte seinen 19. Weltcupsieg, den zehnten im Super-G. Der Norweger Fredrik Moeller (+0,56) und der Österreicher Raphael Haaser (+1,03) komplettierten das Podium, während Marco Odermatt nach einem markanten Fehler im oberen Streckenabschnitt mit 1,23 Sekunden Rückstand Fünfter wurde.

Das Podium

1. Vincent Kriechmayr (AUT)
2. Fredrik Moeller (NOR) +0,56
3. Raphael Haaser (AUT) +1,03
5. Marco Odermatt (SUI) +1,23

Sich verschlechternde Bedingungen führten zu vorzeitigem Abbruch

Das Rennen war von extremen Witterungsbedingungen geprägt, die den Ablauf erheblich beeinträchtigten:

  • Start verzögert um 30 Minuten aufgrund dichtem Nebel
  • Vier Unterbrechungen wegen sich kontinuierlich verschlechternder Sicht, verstärkten Schneefalls und Windböen
  • Endgültiger Abbruch nach dem 31. Starter (Loïc Meillard)
  • 37 Fahrer (mehr als die Hälfte des Teilnehmerfeldes) konnten nicht an den Start gehen (DNS)

Zu den nennenswerten Ausfällen während des Rennens zählte Franjo von Allmen (SUI), der nach schwerem Sturz mit Airbag-Auslösung aufgeben musste, sowie mehrere weitere Läufer, die mit zunehmend unfahrbaren Verhältnissen konfrontiert waren.

Eine fragwürdige Wertung

Gemäß FIS-Reglement ist ein Super-G gültig, sobald mindestens 30 Fahrer die Startlinie überqueren. Mit 31 gestarteten Athleten zählt das Rennen somit offiziell für die Weltcup-Gesamtwertung.

Diese strikte Anwendung des Reglements wirft dennoch berechtigte Fragen zur sportlichen Fairness auf:

  • Die Bedingungen verschlechterten sich im Rennverlauf erheblich und schufen eine offenkundige Ungleichheit zwischen frühen und späten Startern
  • Der Abbruch erfolgte exakt an der Validierungsgrenze
  • Mehr als die Hälfte des Feldes wurde jeglicher Startmöglichkeit beraubt
Die Reaktion des Siegers
„Natürlich freue ich mich über meine Leistung. Es passt, aber anders wäre es mir lieber gewesen. Es hat natürlich einen faden Beigeschmack, ich glaube es war nur bis zur Startnummer 14 richtig fair."

— Vincent Kriechmayr, Sieger mit Startnummer #6

Kritische Analyse

Auch wenn die Sicherheit der Athleten selbstverständlich oberste Priorität haben muss, darf die Rennleitung bei dieser Veranstaltung durchaus hinterfragt werden:

1. Timing der Entscheidung

Hätte der Abbruch nicht früher erfolgen können, bevor die Bedingungen wirklich gefährlich wurden?

2. Sportliche Fairness

Ein Rennen unter derart wechselhaften Bedingungen durchzuführen, untergräbt das Wesen des sportlichen Wettbewerbs.

3. Regelanwendung

Dass das Rennen exakt an der Validierungsschwelle (31 Fahrer) abgebrochen wurde, lässt Zweifel aufkommen, ob administrative Gültigkeit Vorrang vor Fairness hatte.

4. Konsistenz

Nach der Absage der zweiten Abfahrt Anfang der Woche aufgrund widriger Wetterverhältnisse erscheint das Durchziehen dieses Super-G um jeden Preis widersprüchlich.

Ausblick

Der für Sonntag, 7. Dezember, angesetzte Riesenslalom in Beaver Creek bildet den Abschluss der nordamerikanischen Etappe dieser Tour. Man darf auf eine professionellere Rennleitung hoffen, die sportliche Fairness und Athletensicherheit über die bloße regelkonforme Validierung eines Rennens stellt.

Die abgesagte Abfahrt wird zu einem späteren Zeitpunkt der Saison nachgeholt, voraussichtlich in Gröden.


Fazit: Jenseits des unbestreitbaren Talents von Vincent Kriechmayr hinterlässt dieser Tag einen bitteren Nachgeschmack. Er zeigt die Grenzen eines Systems auf, in dem der Buchstabe des Reglements den Geist des Wettbewerbs übertrumpfen kann – zum Nachteil sportlicher Fairness und möglicherweise auch der Athletensicherheit.